Fotografie

Die Weisestraße im Oktober 2018

Blumenhaus Ullrich. Hier kaufte man in den 80ern nach einem Besuch beim Tag der Offenen Tür auf dem Flughafen Tempelhof Blumen für seine Mutter oder seine Frau; je nachdem ob wir ein grades oder ein ungrades Jahr hatten und wer sich in diesem Jahr entschloß der Überbringer zu sein. Nachdem die Kerle in der Familie sich mal wieder nur um sich gekümmert hatten und bei den Alliierten in den Helikoptern und den Panzern herumgekrochen waren, gehörte so etwas wie eine kleine Wiedergutmachung wohl einfach dazu.

Später war ich selbst in dem Alter, bei der Vollalkoholikerin, die hier zuletzt, etwa 2010 noch im Laden stand, die berühmte einzelne rote Rose mitzunehmen.

Das alles wich zur Zeit einer Baustelle und wer weiß, was hier noch hin kommt. Blume 2000? Klamotten Anton? Die Außenstelle Jobcenter Neukölln Nummer 3897? Wer weiß.

Auf den ersten Blick die Straße runter, sieht vieles noch aus wie immer.

Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, hier jemals einen Friseur drin gesehen zu haben. Wenn der wüßte, wie haltbar zumindest seine Werbung doch war.

Ach ja. Der Kiosk. OK. So was läuft immer.

Wenn man hier früher Glück hatte, war es hinter diesen Scheiben so warm, daß die Arbeiterinnen dahinter die Fenster zumindest einen Spalt breit öffneten. Und wenn man dann noch im richtigen Moment vorbeikam, konnte man das Hecheln der Liebesarbeiterinnen dahinter deutlich vernehmen. Und einmal, leider nur ein einziges Mal sogar sehen. So was war aufregend. Früher.

Irgendwie werd ich bei der teuren und reißerischen Werbung, die hier heute am Fenster hängt das Gefühl nicht los, daß die Mädels die letzten waren, die hier wirklich Geld verdient haben. 😄.

Irgendetwas muß hier aber auch besser geworden sein. Immerhin gibt es hier nun so viele Autos, daß sie quer stehen müssen, damit sie hinpassen. Holla.

– Paß auf. Wir tun jetzt etwas gegen den Müll in Neukölln.

– Was denn?

– Wir stellen riesige Mülleimer hin. Dann wird es niemand mehr wagen, seine Sachen einfach auf die Straße zu schmeißen.

Kann den Herren mal jemand sagen, daß man den Müll jetzt auch mal abholen muß? Regelmäßig. Nur mal so? 🙄

Ich gebe zu. Dies hier ist der zweite korrekte Laden in der Ecke. Obgleich relativ neu, relativ korrekt.

Die Sitte kommt aus New York. Wenn man ein Paar Schuhe über eine Lampe liebevoll aufhängt bedeutet dies dort, hey, wir haben einen von Euch, der hat sich über die Grenze gewagt und läuft jetzt barfuß wieder nach Hause.

Was der Schuh hier bedeutet? Keine Ahnung. Das gleiche? Der Mülleimer war voll? Deine Schuhe sind zu billig zum Klauen? Wer weiß.

Die Renovierung ist der Tod der Kunst. Seitdem man diese Kneipe von außen gestrichen hat, steigt natürlich der Wert meines Fotos (gerne noch immer hier im Shop käuflich zu erwerben). Aber urig iss hier nüscht mehr.

Ein Stilleben. Irgendwie auch ein Ready-Made. „Müll im Herbst an Lampe“.

Als Öxle gestartet und schon immer irgendwie etwas besonderes gewesen. Scheint hier noch immer der einschlägige Stoff neben ein wenig Kultur ganz gut zu laufen.

Ganz hinten, beim Stammhirn und dann links, erinnere ich mich noch an den Arbeiterbezirk Neukölln. Ganz selten und nur Sonntag Nachmittags, wenn man schnell guckt, fährt der Schick hier nämlich vorbei.

Es geht doch. Ein Café, ein paar Tische & Stühle auf die Straße. Mehr braucht es doch gar nicht.

Ich finde sogar die Namen einfallsreich. Warum denn nicht?

😂.

Und dann gibt es doch noch Läden, die überleben. Wie schön!

Herbst im Kiez.

Das ist es oder. Hier ist alles drauf.

Da war früher mal ein kleiner Reichelt drin. Der überlebte irgendwann nicht mehr und es kam der Discounter Plus. Nun wünscht man sich das Bio-Siegel in der Kundschaft.

Aber was sich niemals ändert: Die Ästhetik eines BMW Cabrio. Recht hat er!

Wenn man ein Bild malt, ist das erste Ziel von der Grundschule bis zur Volkshochschule, daß keine Stellen mehr unbemalt sind. Warum sollte das auf der Straße hier anders sein? 😂.

Wie gesagt. Kiosk bleibt immer. Kiosk geht immer.

Anspitzer für 2mm Fallminen. Find die mal. Ja, in diesem Internetz, Kunststück. Aber in einem gut sortierten Schreibwarenladen? Meiner um die Ecke hatte die.

Aber irgendwann sagte er mir, daß er davon nicht mehr leben könne.

Jetzt verkaufen sich hier Kleider. So ändern sich die Zeiten.

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